Wer mit Hund in pädagogischen Arbeitsfeldern tätig werden möchte, findet sehr unterschiedliche Angebote zur Aus- und Weiterbildung: Schulhund-, Schulbegleithund-, Pädagogikbegleithund-Therapiehund- oder Therapiebegleithund – all diese Begrifffe sind in diesem Zusammenhang zu finden – und noch viele mehr.
Diese Übersicht soll dabei helfen, die für das eigene Mensch-Hund-Team passende Weiterbildung zu finden.
Begrifflichkeiten unterscheiden
Die Bezeichnungen werden in der Praxis nicht immer einheitlich verwendet. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, in welchem professionellen Kontext ein Hund eingesetzt werden soll.
Schul- oder Pädagogikbegleithund
Ein Schul- oder Pädagogikbegleithund begleitet eine Lehrkraft, Sozialarbeiter:in oder Erzieher:in in ihrem beruflichen Alltag, zum Beispiel in Schule, Kita, OGS oder anderen Bildungs- und Betreuungskontexten. Der Einsatz ist an die pädagogische Profession der einsetzenden Person gebunden.
Therapiebegleithund
Ein Therapiebegleithund arbeitet im Rahmen therapeutisch geprägter Settings und häufig im 1:1 Klient:innenkontakt. Auch hier handelt es sich um ein Team, eingebunden in eine entsprechende berufliche Qualifikation und einen fachlich klar definierten Rahmen. Die Anforderungen an Zielsetzung, Dokumentation, Setting und Verantwortung unterscheiden sich von denen eines pädagogischen Einsatzes.
Besuchshund
Ein Besuchshund wird in der Regel von ehrenamtlich Engagierten in besuchenden und aktivierenden Kontexten eingesetzt, zum Beispiel in Einrichtungen für ältere Menschen oder in sozialen Einrichtungen. Der Fokus liegt hier meist nicht auf einem pädagogischen oder therapeutischen Auftrag der einsetzenden Person im engeren Sinn, sondern auf Kontakt, Begegnung, Aktivierung und sozialer Teilhabe.
Entscheidend ist also nicht die Bezeichnung des Hundes, sondern der berufliche Hintergrund der einsetzenden Person und der Rahmen, in dem das Mensch-Hund-Team arbeitet. Der Hund hat keinen eigenen Beruf. Die Bezeichnung beschreibt den professionellen Kontext, in dem er gemeinsam mit seinem Menschen eingesetzt wird.
Warum Angebote oft schwer vergleichbar sind
Viele Anbieter:innen fassen Schul- und Pädagogikbegleithund, Therapiebegleithund und Besuchshund in gemeinsamen Angeboten zusammen. Das ist aus Sicht der Anbieter nachvollziehbar, weil sich damit eine größere Gruppe von Interessierten ansprechen lässt.
Für Teilnehmende kann diese Breite die Auswahl jedoch erschweren. Wo verschiedene Einsatzfelder und Professionen gemeinsam behandelt werden, bleibt manchmal offen, welche Inhalte für das eigene Berufsfeld wirklich zentral behandelt werden und welche nur am Rand gestreift. Gerade für die spätere Praxis ist diese Passung jedoch wichtig.
Der pädagogische Einsatz insbesondere an Schulen bringt besondere Anforderungen mit sich. Dazu gehören große Gruppen, Lautstärke, schwer planbare Dynamiken, spezielle institutionelle Rahmenbedingungen, Kommunikation im Kollegium, Hygiene, Tierschutz und die Frage, wie der Hund so begleitet wird, dass er sicher und tierschutzgerecht eingesetzt werden kann.
Worauf Sie bei der Auswahl achten können
Spezialisierung
Die Ausbildung ist vorwiegend auf pädagogische Arbeitsfelder ausgerichtet und bereitet gezielt auf den späteren Einsatzkontext vor. Sie greift die Anforderungen auf, die in Schule, Kita, OGS oder vergleichbaren pädagogischen Settings entstehen.
Entscheidend ist, dass die Weiterbildung zur eigenen beruflichen Qualifikation passt und das Mensch-Hund-Team gezielt auf seinen individuellen beruflichen Alltag vorbereitet.
Standards
Die Ausbildung orientiert sich an anerkannten Standards für Schul- und Pädagogikbegleithund-Teams, wie zum Beispiel denen des Qualitätsnetzwerkes Schulbegleithunde (QNS) e.V. Sie benennt zentrale Inhalte zu Praxisbezug, Teamarbeit, Tierschutz und zur Vorbereitung des späteren Einsatzes.
Standards bieten eine fachliche Grundlage, an der sich Aufbau und Qualität einer Weiterbildung für Mensch-Hund-Teams gut einschätzen lassen.
Präsenz und Prozessbegleitung
Eine passende Ausbildung verbindet Theorie und Praxis und begleitet die Entwicklung des Mensch-Hund-Teams über einen längeren Zeitraum. Die praktische Arbeit mit dem Hund findet in Präsenz statt und wird fachlich begleitet. Innerhalb von Kompaktausbildungen oder gar reinen Online-Ausbildungen ist dies nur schwer darstellbar. Auch Individualisierte Einzelbegleitungen über einen längeren Zeitraum in Präsenz können sinnvoll sein – aber gerade dabei ist die fachliche Expertise der Lehrenden von besonderer Bedeutung.
Im Bereich Schul- und Pädagogikbegleithund gelten laut QNS-Standards mindestens 60 Stunden, davon mindestens 40 Stunden mit anwesendem Hund in Präsenz, als wichtiger Rahmen für die Team-Entwicklung und einen sicheren Einsatzaufbau.
Tierschutz und Wohlergehen
Eine passende Ausbildung berücksichtigt den Hund als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen. Tierschutz, Training auf Basis positiver Verstärkung, Erkennen von Stresssignalen und eine faire Planung des späteren Einsatzes gehören deshalb verbindlich zum Ausbildungskonzept.
So wird der Hund als Teil des Teams wahrgenommen und auf einen Einsatz vorbereitet, der seinem Wohlergehen entspricht und auch für ihn einen Mehrwert beinhaltet.
Eignungstests sind dabei aber immer kritisch zu betrachten – (s. auch unseren Beitrag „Eignungstests für Schulbegleithunde“). Die grundlegende Eignung sollte durch die Beobachtung des Mensch-Hund-Teams in realitätsnahen Situationen oder etwa im Rahmen eines Orientierungskurses erfolgen. Hunde können nur dann sicher und nachhaltig als Schulbegleithunde eingesetzt werden, wenn sie schrittweise an die Herausforderungen des Schulalltags herangeführt werden. Dieses vorbereitende Training erfordert Fachwissen über Hundeverhalten, das angehende Schulhund-Teams jedoch oft erst in einer fundierten Weiterbildung erwerben.
Multiprofessionalität
Der Einsatz eines Hundes in pädagogischen Arbeitsfeldern verbindet verschiedene fachliche Perspektiven. Eine passende Ausbildung greift deshalb pädagogische und kynologische Fachkompetenz auf und bezieht beide Bereiche auf den späteren Arbeitsalltag des Teams.
Das Dozent:innen-Team sollte daher diese fachliche Breite abbilden und die Ausbildung aus unterschiedlichen professionellen Blickwinkeln begleiten.
Transparenz
Inhalte, Umfang, Anforderungen, Zielgruppe und Praxisanteile sollten klar beschrieben und vor der Buchung gut erkennbar sein. Dazu gehört auch, dass Aufbau, Zeitrahmen und Form der Begleitung nachvollziehbar dargestellt werden.
So lässt sich einschätzen, welche Inhalte im Mittelpunkt stehen, wie das Mensch-Hund-Team begleitet wird und ob die Weiterbildung auf das eigene Arbeitsfeld vorbereitet.
Fragen, die vor der Buchung hilfreich sein können
• Für welches Einsatzfeld ist die Weiterbildung konzipiert?
• Welche beruflichen Hintergründe der Teilnehmenden sind vorgesehen?
• Wie hoch ist der Präsenzanteil?
• Wie wird das Mensch-Hund-Team praktisch begleitet?
• Welche Rolle spielen Tierschutz und Wohlergehen?
• Wer unterrichtet und aus welchen Fachbereichen kommen die Dozent:innen?
• Welche Inhalte stehen im Mittelpunkt?
• Wie sind Zeitrahmen, Praxisanteile und Begleitung aufgebaut?
Gesetzliche Vorgaben & Anerkennungen
Erlaubnispflicht nach §11 TSchG
Für eine Weiterbildung im Bereich HGP ist die Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8f TierSchG notwendig. Sie bildet die gesetzliche Grundlage für die gewerbsmäßige Ausbildung von Hunden für Dritte und für die Anleitung von Tierhalter:innen während der Ausbildung. Für Angebote, in denen mit Mensch-Hund-Teams praktisch gearbeitet wird, gehört diese Erlaubnis damit zu den notwendigen rechtlichen Voraussetzungen. Erteilt wird sie durch das jeweils zuständige örtliche Veterinäramt.
Sie ist jedoch keine Zertifizierung, keine Anerkennung und keine Auszeichnung, sondern eine gesetzlich erforderliche Grundlage der Tätigkeit. Mit der Erlaubnis darf daher auch nicht ausdrücklich geworben werden; sie gehört aber zwingend unter Nennung der zuständigen Aufsichtsbehörde in das Impressum des/der Anbieter:in.
Für die anleitenden Trainer:innen bedeutet das: Wer im Rahmen der Weiterbildung praktisch mit den Teams arbeitet und die Ausbildung der Hunde oder die Anleitung der Halter:innen übernimmt, braucht diese gesetzliche Grundlage für seine Tätigkeit. Gerade bei multiprofessionell aufgebauten Weiterbildungen zeigt sich daran auch, dass die kynologische Fachperspektive nicht nur inhaltlich benannt sein sollte, sondern in der praktischen Begleitung der Teams durch entsprechend qualifizierte Trainer:innen tatsächlich vertreten sein muss.
Portale, Anbieterzulassungen und Akkreditierungen der Bundesländer
Eine Akkreditierung z.B. durch die Hessische Lehrkräfteakademie als Anbieter:in von Fortbildungs- und Qualifizierungsangeboten, eine Anbieterzulassung des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) und Listung im NLC, sowie die Akkreditierung und Zulassung von Veranstaltungen in der Fortbildungssuchmaschine des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen können die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit eines Angebots erhöhen. Sie bedeuten jedoch nicht, dass die jeweilig zugelassene Weiterbildung inhaltlich, fachlich, methodisch oder didaktisch geprüft oder bewertet wurde. Eine solche Prüfung findet nicht statt.
Für die Auswahl bleibt deshalb entscheidend, ob Aufbau, Inhalte, Praxisanteile, Zielgruppe und Einsatzbezug transparent beschrieben sind.
Beraten lassen
Ein individuelles Beratungsgespräch vor der Buchung kann Gelegenheit geben, Fragen zu stellen und wichtige Punkte im Vorfeld zu klären. Bei Unklarheiten lohnt es sich also, den oder die Anbieter:in direkt zu kontaktieren.
FAQ zur Auswahl einer Schulhund-/Pädagogikbegleithund-Ausbildung
Wie viele Präsenzstunden sollte eine Pädagogikbegleithund-Team-Ausbildung umfassen?
Im Bereich Schul- und Pädagogikbegleithund gelten mindestens 60 Stunden, davon ca. 40 Stunden mit anwesendem Hund, als wichtiger Rahmen. Ebenso wichtig ist, wie die praktische Begleitung des Mensch-Hund-Teams aufgebaut ist und über welchen Zeitraum die Entwicklung des Teams begleitet wird.
Ist eine reine Online-Ausbildung für Pädagogikbegleithund-Teams ausreichend?
Für theoretische Inhalte können digitale Formate gut geeignet sein. Die praktische Begleitung eines Mensch-Hund-Teams braucht jedoch Präsenz, weil Beobachtung, Anleitung, Training, Einschätzung von Belastung und die Arbeit im realen pädagogischen Setting unmittelbar begleitet werden müssen. Für eine Ausbildung im pädagogischen Einsatzfeld braucht es deshalb verbindliche Präsenzanteile.
Worin unterscheiden sich Pädagogikbegleithund, Therapiebegleithund und Besuchshund?
Die Bezeichnungen beschreiben vor allem den professionellen Kontext, in welchem die Bezugsperson tätig ist. Ein Pädagogikbegleithund begleitet eine pädagogisch tätige Person im beruflichen Alltag, ein Therapiebegleithund gehört in einen therapeutischen Kontext und Besuchshunde werden in der Regel in besuchenden oder aktivierenden Rahmen von Ehrenamtlichen eingesetzt. Entscheidend ist deshalb die Profession der einsetzenden Person und nicht das jeweilige Einsatzfeld.
Ist eine Akkreditierung, Zulassung oder Portallistung automatisch ein Qualitätsnachweis?
Eine Akkreditierung, Anbieterzulassung oder Listung in einem Fortbildungsportal der Ministerien und Bundesländer kann die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit eines Angebots erhöhen. Sie bedeutet jedoch nicht, dass die jeweilige Weiterbildung inhaltlich, fachlich, methodisch oder didaktisch geprüft wurde.
Erlaubnispflicht nach §11 TSchG für Weiterbildungen
Die Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8f TierSchG ist bei HGP-Weiterbildungen mit praktischer Arbeit mit Mensch-Hund-Teams eine notwendige gesetzliche Grundlage. Sie ist keine Zertifizierung, keine Anerkennung und keine besondere Auszeichnung, sondern Voraussetzung dafür, dass diese Tätigkeit überhaupt ausgeübt werden darf.
Ist eine Kompaktausbildung für Pädagogikbegleithund-Teams sinnvoll?
Eine Ausbildung für den pädagogischen Einsatz mit Hund lebt von Zeit, Praxis und einer individuellen Prozessbegleitung. Die Entwicklung eines Mensch-Hund-Teams, der Aufbau des Einsatzes im Schulalltag sowie die Einschätzung von Belastungen und Rahmenbedingungen brauchen einen längeren Zeitraum. Ein Kompaktformat z.B. innerhalb der Ferien kann einzelne Inhalte vermitteln, eine prozessorientierte Ausbildung jedoch nicht ersetzen.
Transparenzhinweis
Diese Handreichung wurde aus unserer Perspektive als Anbieter im Bereich Pädagogikbegleithund / Schulbegleithund verfasst. Sie ist daher nicht unabhängig. Unser eigenes Angebot arbeitet mit einem klaren Schwerpunkt in diesem Bereich und ist räumlich eher lokal ausgerichtet, auch wenn immer wieder Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet längere Anfahrten auf sich nehmen. Ziel dieser Übersicht ist keine allgemeine Marktbewertung, sondern eine Hilfestellung zur Auswahl passender Angebote.