Leitbild & Ansatz
Der Einsatz von Hunden in pädagogischen Arbeitsfeldern ist eine pädagogisch und ethisch verantwortungsvolle Entscheidung innerhalb eines komplexen, multifaktoriellen Systems. Er setzt voraus, dass ethische und tierschutzrelevante Aspekte gleichermaßen zu den pädagogischen Zielen berücksichtigt werden.
Unsere Arbeit basiert auf einer klaren Haltung im Umgang mit Mensch und Hund:
gleichwürdig | bedürfnisorientiert | selbstwirksam
Dabei orientieren wir uns an aktuellen, evidenzbasierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unsere Grundlage ist ein respektvoller Umgang sowie Training und Begleitung auf Basis positiver Verstärkung und einer fachlich reflektierten Methodenwahl.
Das Wohlbefinden und der Schutz des Hundes sowie die Sicherheit von Schüler:innen und pädagogischen Fachkräften stehen dabei im Mittelpunkt jeder Entscheidung.
Haltung im Einsatz mit Hund
Der Hund ist Teil des pädagogischen Settings und gleichzeitig ein eigenständiges Lebewesen mit individuellen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Grenzen.
Einsätze müssen so gestaltet sein, dass sie für den Hund sicher, vorhersehbar und an seine individuellen Möglichkeiten angepasst sind. Dazu gehört die Fähigkeit, seine Körpersprache zu lesen, Situationen fachlich einzuschätzen und den Einsatz entsprechend zu strukturieren.
Zentrale Einsatzprinzipien sind dabei:
- klare und verlässliche Strukturen im Setting
- die Berücksichtigung von Freiwilligkeit im Kontakt
- jederzeit verfügbare Rückzugsmöglichkeiten für den Hund
- eine Anpassung von Dauer, Intensität und Rahmenbedingungen an den Hund
Die Verantwortung für die Gestaltung und Durchführung des Einsatzes im Sinne des Wohlergehens des Hundes liegt einzig bei der einsetzenden Bezugsperson.
Tierwohl und Tierschutz
Tierwohl und Tierschutz sind unabdingbare Voraussetzung für jeden Einsatz.
Der Einsatz eines Hundes im pädagogischen Kontext erfolgt nur unter Bedingungen, die seine körperliche und emotionale Unversehrtheit gewährleisten. Belastungen werden erkannt, ernst genommen und in der Gestaltung berücksichtigt.
Der Hund wird nicht eingesetzt, um Erwartungen zu erfüllen oder Situationen „funktional“ zu unterstützen und sowohl seine, als auch die Grenzen und Bedürfnisse der Schüler:innen und Kolleg:innen werden respektiert.
Der Einsatz werden angepasst, unterbrochen oder beendet, wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht gegeben sind oder sich im Verlauf verändern.
Training und Methoden
Das Training der Hunde erfolgt auf Basis positiver Verstärkung und einer reflektierten Methodenwahl.
Wir orientieren uns dabei an fachlichen Leitlinien, wie sie u. a. im Leitbild des IBH e.V. beschrieben sind. Diese betonen einen evidenzbasierten, bedürfnisorientierten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Hund sowie eine klare ethische Einordnung von Methoden.
Maßnahmen werden so gewählt, dass sie für den Hund möglichst stressarm und an seine individuellen Voraussetzungen angepasst sind. Ziel ist es, Verhalten nachvollziehbar aufzubauen und Sicherheit im gemeinsamen Handeln von Mensch und Hund zu schaffen.
Der Einsatz von aversiven Methoden, Einschüchterung oder Zwang ist mit unserem Verständnis von Lernen, Training und pädagogischem Einsatz nicht vereinbar.
Dazu zählen Maßnahmen, die über Druck, Einschränkung oder das gezielte Hervorrufen von Unbehagen arbeiten, wie etwa körperliche Einwirkung, das Blockieren oder Begrenzen von Bewegung und Raum, das bewusste Auslösen von Unsicherheit oder Angst sowie vergleichbare Vorgehensweisen.
Aus lerntheoretischer Sicht basieren solche Vorgehensweisen auf der Nutzung von unangenehmen Reizen oder deren Androhung. Sie können Verhalten kurzfristig beeinflussen, sind jedoch mit erhöhtem Stress, Unsicherheit und unerwünschten Nebenwirkungen verbunden und stehen einer nachhaltigen, stabilen Team-Entwicklung entgegen.
Eignungstests und Einschätzung von Eignung
Eignungstests betrachten wir im Kontext hundegestützter Pädagogik als kritisch.
Einzelne Testsituationen können Momentaufnahmen abbilden, erfassen jedoch weder die Dynamik von Entwicklung noch die Anforderungen realer Einsatzkontexte. Sie bieten aus unserer Sicht keine valide Grundlage für eine verantwortungsvolle Einschätzung.
Hinzu kommt, dass in vielen Tests häufig Anforderungen überprüft werden, auf die das Mensch-Hund-Team – und insbesondere der Hund – erst im Rahmen einer fundierten Weiterbildung vorbereitet wird. Ohne diese Vorbereitung lassen sich das Verhalten des Hundes und seine Belastbarkeit nicht angemessen beurteilen.
Wir führen daher bewusst keine üblichen Eignungstests durch. Durch die Teilnahme an den ersten, unverbindlichen Modulen unserer Weiterbildung mit Hund ist es unseren Dozent:innen möglich, über die Beobachtung der Interaktion im Mensch-Hund-Team, über kleine Übungen im Seminar sowie über strukturierte Praxissituationen eine fundierte Einschätzung zur grundsätzlichen Eignung zu treffen – ohne das Team in zusätzliche oder überfordernde Testsituationen zu bringen.
Die Vorbereitung und der Einsatz eines Hundes im pädagogischen Kontext sind aus unserer Sicht ein Entwicklungsprozess, der solide begleitet werden muss. Mensch und Hund werden schrittweise an die Anforderungen des Einsatzalltags herangeführt und kontinuierlich in ihrer Entwicklung unterstützt.
Weitere Einblicke in die Vorbereitung und Begleitung von Mensch-Hund-Teams sowie in Aufbau, Ablauf und Inhalte unserer Weiterbildung finden Sie auf den entsprechenden Seiten.
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